ON THE EDGE 2025

04. bis 15.11.2025

Zirkus? Ja. Aber nicht so, wie du denkst.

Keine Manege. Kein Applaus auf Knopfdruck. Dafür Objekte mit Eigenleben und Akrobatik, die nach politischer Verantwortung fragt. Hier gibt’s keine Dressur, kein Netz und doppelten Boden. Kein Effekt um seiner selbst willen, sondern ein Hinterfragen von tradierten Mustern. Im Mittelpunkt stehen künstlerischer Ausdruck, Erzählung und gesellschaftlicher Diskurs.

Programm

Zeyringer, Schneider, Gammon, Mannott (AT)

Uraufführung
04. und 05. November 2025

Go fishing erzählt die Geschichte der jüdischen Zirkuskünstlerin Irene Bento, die sowohl in der Manege als auch im Privaten eine beispielhafte Willenskraft und Durchsetzungsfähigkeit zeigte.

Den Holocaust überlebte die talentierte Artistin dank ihres Mutes und der Unterstützung des deutschen Zirkusdirektors Adolf Althoff, der sie und ihre Familie in seinem Zirkus aufnahm und vor den Nationalsozialist*innen versteckte. Das geheime Stichwort, um zügig unterzutauchen, lautete dabei „Go fishing“. Adolf Althoff, seine Frau Maria Althoff, sowie weitere Zirkusmitarbeiter*innen riskierten ihr eigenes Leben, um Irene Bento und ihre Familie zu retten.

Die Performance ist die zweite große Eigenproduktion von ON THE EDGE und verknüpft nicht nur Zirkuskunst mit Choreographie, Text und Bildender Kunst, sondern fragt mittels dieser wahren historischen Geschichte auch nach dem sozialen Gefüge Zirkus und der Rolle von Solidarität und Widerstand.

Fotos: Igor Ripak

  • Künstlerische Leitung und Regie: Dorothea Zeyringer
    Kreation und Performance: Verena Schneider
    Musik und Video: Gammon
    Idee und dramaturgische Begleitung: Arne Mannott
    Produktionsleitung: Nefeli Antoniadi

    Mit Dank an: Astrid Storms-Fontner, Renate Dreesen / Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Pfungstadt, Westdeutscher Rundfunk, United States Holocaust Memorial Museum Collection

Jörg Müller (FR)

04. und 05. November 2025

Mobile ist ein zeitloser Tanz, ein Moment purer Poesie. Scheinbar schwebend hängen fünf lange Metallröhren im stillen Raum. In einem kontinuierlichen tänzerischen Dialog bewegt sich Jörg Müller mit und zwischen diesen hängenden, fliegenden und schwebenden Röhren, die, wenn sie sich treffen oder von ihm angeschlagen werden, tönen wie ein riesiges Glockenspiel.

Mal trunken kreisend, mal stürmisch wirbelnd, mal lautlos und mal zum Klingen gebracht, zeichnen er und die Stäbe ein einzigartiges, hypnotisches und performatives Kunstwerk.

Jörg Müllers Mobile ist ein zeitloses Meisterwerk der Jonglage und eines der wegweisendsten Stücke des zeitgenössischen Zirkus.

Fotos: Igor Ripak

  • Concept, creation, and performance: Jörg Müller
    With the help of François Crevantes and Emmanuel Cury St Sauveur

    Eine Produktion von WASISTDAS

compagnie lou (AT)

07. und 08. November 2025

Der Weg von der U-Bahn zum Festivalzentrum am Kabelwerk ist Ausgangspunkt für diese Kreation zwischen Zirkus, Tanz und Performance. Die beiden Künstler*innen, Tanja Peinsipp und Susa Siebel, befragen das Areal des Kabelwerks aus mehreren Blickwinkeln: einem historischen, einem sozialen sowie einem baulich/architektonischen. Dort, wo einst mit Strom und Kabeln gearbeitet wurde, werden jetzt die Zirkuskörper in ein Spannungsverhältnis gesetzt. 195-05-21 steht dabei nicht nur für eine körperliche Recherche vor Ort, sondern auch für das Fachkürzel zur Benennung des Berührungsstroms.

195-05-21 ist das Ergebnis einer zweiwöchigen Residenz im Rahmen von ON THE EDGE 2023 und erfährt nun eine Wiederaufnahme.

Fotos: Igor Ripak

  • Kreation und Performance: compagnie lou - Tanja Peinsipp und Susa Siebel
    Musik: Hanna Vogel
    Lichtdesign: MA33 - Beleuchtung im öffentlichen Raum der Stadt Wien
    Kostüm: Tanja Peinsipp

    Eine Koproduktion von Tanja Peinsipp und Susa Siebel gemeinsam mit ON THE EDGE.

L’EOLIENNE (FR)

07. und 08. November 2025

Souffle ist ein akrobatischer Tanz im regelmäßigen Takt des Atems - Eine Hymne an den Körper und das Leben. Ob fließend oder ruckartig, langsam oder schnell – das Stück  begeistert mit hypnotischer Tanzakrobatik. “Atme”, so die deutsche Übersetzung, und zugleich Ausgangspunkt für ein befreites Aufatmen und eine intime und präzise Auseinandersetzung mit dem Körper an sich. 

Die französische Kompagnie L’EOLIENNE hat mit Souffle das Genre Tanzakrobatik wesentlich mitgeprägt. 10 Jahre nach seiner Premiere ist es nun das erste Mal in Österreich zu sehen.

  • Kreation, Originalmusik und Atem: Florence Caillon
    Acro-Choreographie: Florence Caillon, in Zusammenarbeit mit Julie Tavert
    Performance: Lucille Chalopin
    Lichtdesign: Greg Desforges
    Cello (Soundtrack): Florence Hennequin

    Mit Unterstützung des ESPACE CULTUREL ANDRÉ MALRAUX in Kremlin-Bicêtre / des THÉÂTRE in Roubaix, des ONYX in Saint-Herblain.

    Mit Unterstützung des Conseil Général de la Seine-Maritime und ODIA Normandie.

    L'EOLIENNE wird vom Ministerium für Kultur / Drac der Normandie, dem Regionalrat der Normandie und der Stadt Rouen subventioniert.

Fotos: Igor Ripak

Michael Zandl (AT)

Österreichische Erstaufführung
07. und 08. November 2025

FOOD erforscht die unerbittlichen Auswirkungen  des menschlichen Konsums – eine absurde und surreale Performance, die unsere Ansichten von Genuss und Exzess hinterfragt.

Ein einfacher Akt des Essens verwandelt sich auf der Bühne allmählich in ein hektisches, fast mechanisches Ritual, bei dem sich unsere Konsumgewohnheiten in etwas Groteskes und verstörend Hypnotisches verwandeln.

FOOD serviert ein exzentrisches Festmahl und lädt das Publikum in eine zuweilen bizarre Welt ein, die von unserem endlosen Appetit auf mehr angetrieben wird.

Fotos: Igor Ripak

  • Konzept und künstlerische Leitung: Michael Zandl
    Performance und Co-Auor*innen: Fidel Rott, Hedvig Brodén, Jakob Vöckler, Karin Brodén
    Künstlerische Mitarbeit: Dennis Molendijk
    Outside Eye: Sara Sguotti, Ariane Oechsner, Arne Mannott
    Sounddesign: Victor Maillard
    Lichtdesign: Lisette van der Linden
    Bühne und Effekte: Michael Zandl
    Produktionsleitung: Mirjam Zwanenburg (Korzo)

    Mit Unterstützung von: Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport,, Ministry of OC&W NL, City Den Haag
    Eine Produktion von korzo in Koproduktion mit Perplx, Winterfest Salzburg, Circuswerkplaats Dommelhof und CirkLabo.
    Distribution: Klaartje Brouns (JE BURO)
    Residency Aufenthalte: Dynamo Workspace, De Warande, Dommelhof, Latitude50, Tent Amsterdam und Red Sapata

Édouard Peurichard (FR)

Österreichische Erstaufführung
11. und 12. November 2025

Was bedeutet es eigentlich, Zirkuskünstler*in zu sein? Was haben Bruce Springsteen, Don Quijote und ein Achtzigjähriger gemeinsam? In dieser Solo-Show rekonstruiert Édouard Peurichard Fragmente seiner Performances und wirft einen intimen Blick auf seine Karriere. 

Le Repos du Guerrier - “Die Pause des Ritters” - ist eine wilde Collage aus erlebten oder fantasierten, teils plagiierten Szenen. Eine theatralische Aufführung voller Humor und Selbstironie, in der der Künstler zum Ritter auf der Suche nach dem Sinn seiner eigenen Karriere wird. 

Zwischen Vertraulichkeiten und Manipulationen, dem Trivialen und dem Wunderbaren, zu den Klängen von Dalida, Bach oder Schubert, teilt Édouard Peurichard seine Liebeserklärung an den Zirkus mit uns.

Fotos: Igor Ripak

  • Konzept, Kreation und Performance: Edouard Peurichard
    Künstlerische Mitarbeit: Christian Coumin
    Lichtdesign: Manolie Fontanière
    Einfallsreichtum und wertvolle gegenseitige Hilfe: Yoan Richard
    Technische Leitung: Julie Malka or Cecile Durriez
    Booking Management: Sarah Bourhis

    Produktion: La Superette // Unterstützt von Studio Pact, einem Inkubator für Zirkuskünste in Toulouse

    Dieses Projekt ist ein Gewinner des europäischen Labels Circus Next Residences, unterstützt von Departement Haute-Garonne // Circa- Nationales Zirkuszentrum von Auch // La Grainerie- Zirkuskünste und Wanderfabrik in Balma // Par Haz'art Association - Toulouse // L'été de Vaour // L'ENCC - Nationale Zirkusschule von Châtellerault // L'arsenic - Gindou // Les cas du cirque - Zirkusschule // Bonnefoy Kulturzentrum // Le Grand Rond - Toulouse // Le théâtre du moulin - Roques-sur-Garonne // La cave poésie - Toulouse

Kalle Nio (FI)

Österreichische Erstaufführung
11. und 12. November 2025

The Trick That Cannot Be Explained ist ein Kartentrick, der von Dai Vernon entwickelt wurde und sich bei jeder Vorführung verändert. Er basiert auf Improvisation, Zufall und der Reaktion des Magiers – vergleichbar mit Jazz. Das scheinbar Geplante ist oft nur Glück, das geschickt genutzt wird. Miika Pelkonen führt den Trick jeweils für eine Person auf, während das Publikum die Durchführung des Tricks so lange wie gewünscht beobachten kann.

The Trick That Cannot Be Explained stellt das gesamte Konzept der Magie als einstudierte und minutiös geplante Nummer spielerisch in Frage und bricht mit der Regel, dass ein Trick nicht vor demselben Publikum wiederholt werden darf.

Fotos: Igor Ripak

  • Konzept, künstlerische Leitung und Text: Kalle Nio
    Magiker: Miika Pelkonen
    The Trick: Dai Vernon, Lewis Ganson, Miika Pelkonen

    Eine Produktion von WHS.

Sacékripa (FR)

Wien Premiere
14. und 15. November 2025

Die französische Compagnie Sacékripa hat mit VU einen Miniaturzirkus der besonderen Art und zugleich einen modernen Klassiker des zeitgenössischen Zirkus geschaffen: Ein Mann trinkt Tee. So weit, so schlicht. Doch mit Tasse, Wasserkocher, Löffel und Zucker-Stückchen, vor allem aber mit seiner Besessenheit von den kleinen Dingen des Alltags und seiner heiligen Ordnung, macht der Teetrinker sein Publikum mehr und mehr verrückt.

Balancierend auf dem schmalen Grat zwischen Objekttheater und Clownerie erzählt das Stück von einem obsessiven Typen, einer mürrisch-akribischen Persönlichkeit als dem genauen Gegenteil von der allgegenwärtigen Hyperaktivität.

Fotos: Igor Ripak

  • Konzept, Text und Performance: Etienne Manceau
    Outside Eye: Sylvain Cousin
    Bühnendesign: Guillaume Roudot
    Distribution und Produktion: Manon Durieux
    Administration: Lucile Hortala

Luca Bonamore (AT/IT)

Wiederaufnahme
14. und 15. November 2025

An der Stange die Muskeln spielen lassen, am Wasserspender flirten und einander auschecken in der Umkleidekabine: Heavy Duty untersucht die Welt des queeren Cruisings im Fitnessstudio. Als Tempel des Körperkults und Schauplatz der (heimlichen) Partner*innensuche steht das Gym nicht nur für stählerne Bodys, sondern auch für Fragen zu Leistungsdruck, Scham und Norm. Heavy Duty ist ein märchenhafter Taumel, in dem die Realitäten und Zuschreibungen verschwimmen. Im Duett mit Fran Klein hinterfragt Bonamore die Performance von Maskulinität im Kontext queerer Kultur und Sexualität. Aus Körperkontakt, Zärtlichkeit, Pole-Dance, Calisthenics und intimen Begegnungen entsteht eine verspielte Choreografie. Heavy Duty testet die vielfältigen Formen, die „Männlichkeit“ annehmen kann und in denen sich maskulin präsentierende Körper einander näherkommen.

Fotos: Igor Ripak

  • Konzept, künstlerische Leitung, Choreographie: Luca Bonamore
    Performance: Luca Bonamore, Fran Klein 
    Dramaturgie: Olivia Axel Scheucher 
    Produktionsleitung: Theo Emil Krausz 
    Musik, Sounddesign: Zosia Holubowska 
    Bühnendesign: Christiane Peschek 
    Assistenz Bühnendesign: Sophia Gatzkan 
    Lichtdesign: Leo Kuraite 
    Styling, Kostüm: Anna Menecia Antenete Hambira 
    Outside Eyes: Claire Lefevre, Eike Wittrock 
    Helping Hand, technische Unterstützung, Assistenz Bühnendesign: Niko Naderer
    Administration: Takelage

Henrik & Louise (SE)

Österreichische Erstaufführung
14. und 15. November 2025

Korobka ist ein authentisches Porträt einer Partner*innenschaft – auf der Bühne, im Leben und in den leisen Zwischenräumen dazwischen.

Mit feinem Humor, zärtlicher Offenheit und akrobatischer Präzision erforschen Henrik Agger und Louise Bjurholm von Euler den Spagat zwischen Alltag und Kunst, Intimität und Inszenierung.

In Korobka verschmelzen Akrobatik, Videokunst, Klanglandschaften und gemeinsame Atemzüge zu einer eindrucksvollen Erzählung. Was dabei entsteht, ist keine Geschichte über Perfektion, sondern über Präsenz. Über das Bleiben im Moment, das Geben und Nehmen, das Halten und Loslassen.

Nach über zwanzig Jahren gemeinsamer Arbeit auf Bühnen rund um den Globus – von China über Brasilien bis Paris und Wien – destillieren die beiden Ausnahmekünstler*innen ihre Erfahrung in einer  Performance von berührender Klarheit. Ausgebildet in Stockholm und Moskau, Mitbegründer des legendären schwedischen Cirkus Cirkör, vereinen Henrik Agger und Louise Bjurholm von Euler zeitgenössischen Zirkus mit Tanz, Theater und Film zu einem intensiven Dialog über Nähe, Wandel und Zusammenhalt.

Fotos: Igor Ripak

  • Kreation und Performance: Louise Bjurholm von Euler und Henrik Agger

    Koproduktion: Dansinitiativet, Subtopia, Idefarmen.

    Gefördert von: Kulturrådet (Swedish Arts Council) Region Stockholm, Stockholm Stad